Mythen auf den Zahn gefühlt

January 15, 2017

„Kräftig schrubbt am besten“, „Jedes Kind kostet einen Zahn“ – um das Thema Zahnpflege ranken sich zahlreiche Mythen. Lesen Sie, was wirklich stimmt.

 

Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen.

Stimmt nur bedingt. Das Sofortputzen könnte auch schädlich sein – je nachdem, was Sie gegessen haben. So sind stark säurehaltige Speisen wie Obst, Spinat, Rhabarber und Salat mit Essig-Dressing in der Lage, die oberste Zahnschmelzschicht aufzuweichen: Kommt direkt danach die Zahnbürste zum Einsatz, kann sie den Schmelz beschädigen. Wer morgens Obstsalat isst oder Grapefruit, sollte besser vor dem Frühstück die Zähne putzen – oder danach mindestens eine halbe Stunde warten. Wer dagegen süße und klebrige Sachen bevorzugt (Nuss-Nugat-Creme, Honig), putzt möglichst anschließend. Grundsätzlich lautet der zahnärztliche Rat: Zähne am besten morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen putzen.

 

Kräftig schrubbt am besten.

Klingt plausibel, trifft aber nicht zu. Wenn Sie mit zu viel Druck putzen, besteht nicht nur die Gefahr, das Zahnfleisch zu verletzen – auch der Zahnschmelz kann durch starkes Schrubben Schaden nehmen. Ein Gefühl für den richtigen Anpressdruck bekommen Sie, wenn Sie mit dem Kopf Ihrer Zahnbürste auf die Küchenwaage drücken, bis diese 150 Gramm zeigt.

 

Harte Borsten entfernen mehr Plaque.

Das ist zwar grundsätzlich richtig. Doch Vorsicht: Harte Borsten können Zahnfleisch und Zahnschmelz schädigen. Menschen mit schmerzempfindlichen Zähnen, freiliegenden Zahnhälsen oder einer Zahnfleischentzündung sollten lieber eine Bürste mit weichen Borsten wählen.

 

Welche Zahnpasta ich benutze, ist egal.

Tatsächlich erfüllen die meisten Zahncremes ihren Zweck völlig zufriedenstellend. Doch ein Punkt ist ganz entscheidend: Achten Sie unbedingt darauf, dass Ihre Zahnpasta Fluorid enthält! Der Mineralstoff härtet den Zahnschmelz und vermindert so das Kariesrisiko erheblich.

 

Nach dem Zähneputzen muss ich den Mund gründlich ausspülen.

Nein, das ist nicht nötig. Kurzes Nachspülen genügt völlig – und hat den Vorteil, dass die schützenden Fluoride aus der Zahncreme länger einwirken können.

 

Die Zahnzwischenräume muss man nicht täglich säubern.

Doch, die tägliche Reinigung auch der Zahnzwischenräume ist dringend zu empfehlen. Denn Speisereste und Bakterien sitzen bevorzugt zwischen den Zähnen – und da kommt keine normale Zahnbürste hin, egal ob Sie manuell oder elektrisch putzen. Zahnseide ist das Hilfsmittel der Wahl: Sie wird am besten abends angewendet, vor dem normalen Zähneputzen.

 

Statt Zahnseide kann ich auch eine Mundspülung benutzen.

Leider nein. Auf dem Markt sind zwar viele verschiedene Mundspüllösungen mit unterschiedlichen Wirkstoffen erhältlich. Doch für alle gilt: Eine Mundspülung kann die mechanische Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide und Interdentalbürsten nicht ersetzen.

 

Elektrische Zahnbürsten können das Zahnfleisch verletzen.

Das stimmt nur, wenn Sie mit zu starkem Druck putzen. Untersuchungen zeigen aber, dass die Verwender elektrischer Zahnbürsten im Durchschnitt deutlich weniger Kraft aufwenden als die Nutzer von Handzahnbürsten. Nach aktueller Studienlage führt das Putzen mit einer elektrischen Bürste nicht zu einem erhöhten Risiko für Zahnfleischverletzungen.

 

Es reicht, alle sechs Monate die Zahnbürste zu wechseln.

Wechseln Sie besser öfter. Wer häufiger zu einer neuen Zahnbürste greift, reduziert das Risiko für Zahnfleischentzündungen. Nach den Ergebnissen einer Studie der Universität Göttingen wäre ein monatlicher Wechsel ideal – bei den Untersuchungsteilnehmern, die alle vier Wochen mit neuen Borsten putzten, entwickelten sich deutlich weniger Zahnbeläge.

 

Wenn ich immer gut putze, brauche ich keine professionelle Zahnreinigung.

Stimmt nicht. Auch wenn Sie wirklich jeden Tag gründlich putzen, können Sie es mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln nicht schaffen, sämtliche Beläge und Verfärbungen hundertprozentig zu entfernen. Das Team in der Zahnarztpraxis hat hier ganz andere Möglichkeiten, und die werden bei der professionellen Zahnreinigung genutzt. Wird sie in regelmäßigen Abständen durchgeführt, verringert sich das Risiko für Karies und Zahnfleischerkrankungen.

 

Zahnfleischbluten ist nicht weiter schlimm.

Falsch! Blutendes Zahnfleisch ist immer ein Warnsignal. Entweder wird das Gewebe durch falsches Putzen verletzt, oder es besteht eine Zahnfleischentzündung. Suchen Sie baldmöglichst den Zahnarzt auf, damit er die Ursache ermitteln und behandeln kann.

 

Schlechte Zähne sind erblich.

Das wäre zwar eine gute Ausrede für Putzmuffel, entspricht jedoch nicht der Wahrheit. Grundsätzlich gilt: Ein sauberer Zahn erkrankt nicht an Karies. Genetisch bedingte Unterschiede können das Krankheitsrisiko aber etwas beeinflussen. So ist bei manchen Menschen die Zahnschmelzschicht besonders dick – Kariesbakterien brauchen deshalb länger, um ein Loch hineinzufressen. Und schräg stehende, verschachtelte Zähne sind naturgemäß schwieriger zu putzen als gerade Zahnreihen.

 

Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn.

In früheren Zeiten, als die Ernährungssituation ungünstiger und die zahnmedizinische Versorgung schlechter war, traf diese Aussage wohl zu. Denn die Hormonumstellung in der Schwangerschaft macht das Zahnfleisch empfindlicher und erhöht das Parodontitisrisiko. Heute aber gilt: Wenn die werdende Mutter frühzeitig den Zahnarzt aufsucht, gründlich putzt und sich ausgewogen ernährt, kann sie einen Zahnverlust sicher vermeiden.

 

Tee trinken greift die Zähne an.

Zwar kann schwarzer Tee zu unschönen Verfärbungen führen. Doch davon abgesehen ist das aromatische Getränk äußerst zahnfreundlich, denn es enthält viel Fluorid (das gilt übrigens auch für grünen Tee). Störende Verfärbungen durch schwarzen Tee oder Kaffee können in der Zahnarztpraxis mittels professioneller Zahnreinigung entfernt werden.

 

Rauchen verfärbt zwar die Zähne, schadet ihnen sonst aber nicht.

Leider stimmt das nicht. Bei Rauchern steigt Zug um Zug das Risiko, an einer schweren Parodontitis zu erkranken. Denn der blaue Dunst verschlechtert die Durchblutung im Mundraum, das Zahnfleisch wird anfälliger für chronische Entzündungen. Gleichzeitig bemerken Raucher eine Parodontitis oft erst spät, da Warnsymptome wie Zahnfleischbluten bei ihnen seltener auftreten.

 

Die „Dritten“ muss ich nicht mehr putzen.

Schön wär‘s. Gerade auch herausnehmbare Zahnprothesen brauchen sorgfältige Pflege – sie sollten nach jeder Mahlzeit gereinigt werden, und zwar am besten mit einer speziellen Prothesenzahnbürste. Werden sie nicht regelmäßig geputzt, bilden sich auch auf den Dritten bakterielle Beläge und Zahnstein, die Entzündungen im Mund hervorrufen können.

 

Wer eine Vollprothese hat, muss nicht mehr zum Zahnarzt.

Auch das trifft nicht zu. Der halbjährliche Kontrollbesuch in der Praxis bleibt genauso wichtig wie zuvor.

 

Im Alter fallen die Zähne sowieso aus.

Früher war das normal – wer alt wurde, brauchte irgendwann eine Zahnprothese. Doch heutzutage gilt: Wer immer gut putzt und regelmäßig zum Zahnarzt geht, kann die eigenen Zähne bis ins hohe Alter behalten.

 

 

 

 

 

Quelle: Lückenlos 03/2014; S. 4-7

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