Parodontitis und Diabetes -eng verzahnt

May 15, 2018

Menschen mit Diabetes sollten besonders gut auf die Mundgesundheit achten. Denn sie haben ein hohes Risiko für Parodontitis. Wer gut putzt, beugt Schmerzen und Zahnverlust vor.

 

Dass zu viel Zucker im Kaffee nicht gut für die Zähne ist, wissen sicher die meisten Menschen. Dass zu viel Zucker im Blut die Zahngesundheit bedroht, ist dagegen weniger bekannt. Hohe Blutzuckerwerte bei Diabetes schädigen auf Dauer die feinen Blutgefäße  und davon sind nicht nur Augen und Nieren betroffen, sondern auch das Zahnfleisch.

In der Folge sinkt seine Widerstandskraft gegen Infektionen. Diabetiker haben deshalb ein stark erhöhtes Risiko für eine Parodontitis: Die chronische, schwere Zahnfleischentzündung führt unbehandelt zu einem fortschreitenden Gewebe- und Knochenabbau – schließlich verlieren die Zähne ihren Halt und fallen aus.

 

Gute Zähne, bessere Zuckerwerte Zahnverlust

ist aber nicht die einzige Gefahr. Eine Parodontitis wirkt sich auch ungünstig auf die Blutzuckerwerte aus. Denn die chronische Infektion hemmt die Aktivität des körpereigenen Hormons Insulin. In der Folge können die Körperzellen den Zucker im Blut nicht mehr optimal zur Energiegewinnung verwerten, der Zuckerspiegel steigt. Parodontitis erhöht damit auch das Risiko für andere Diabetes-Folgeerkrankungen wie Nervenschäden, Nierenversagen oder Herzanfall. Diabetiker tun also gut daran, ihre Zähne sorgfältig zu putzen, um Zahnfleischentzündungen von vornherein zu vermeiden. Zur gründlichen Mundhygiene gehört dabei unbedingt auch die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten – denn Parodontitis entwickelt sich meistens aus bakteriellen Belägen in den Nischen, die von der normalen Zahnbürste nicht erreicht werden.

Ergänzend zur guten häuslichen Mundhygiene empfiehlt es sich für Diabetiker dringend, regelmäßig den Zahnarzt aufzusuchen  und ihn unbedingt über die Stoffwechselerkrankung zu informieren! Wegen des erhöhten Risikos vereinbaren Zuckerpatienten am besten vierteljährlich einen Kontrolltermin in der Praxis.

 

Das Zahnfleisch im Auge behalten

Alle Diabetiker sollten außerdem ihr Zahnfleisch gut beobachten. Zeigen sich Veränderungen wie etwa eine auffällige Rötung oder freiliegende Zahnhälse (die Zähne wirken länger), oder kommt es beim Putzen zu Zahnfleischbluten? Dann bitte sofort einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren. Im Rahmen der Kontrolluntersuchung kann er den sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI) ermitteln. Die Kosten dafür werden alle zwei Jahre von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ergibt sich die Diagnose Parodontitis, sollten Diabetiker dem Behandlungsvorschlag des Zahnarztes möglichst zustimmen – denn je früher und konsequenter die Therapie durchgeführt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Parodontitisbehandlung kann in aller Regel schmerzfrei und ohne Bohrer erfolgen. In der ersten Behandlungsphase erhält der Patient eine ausführliche Mundhygieneunterweisung mit praktischen Tipps für die optimale häusliche Zahnpflege. Im nächsten Schritt werden die Zähne in der Praxis von allen erreichbaren weichen und harten Belägen befreit. Daran schließt sich die eigentliche Parodontalbehandlung an: Unter lokaler Betäubung entfernt der Zahnarzt auch die bakteriellen Beläge auf den Wurzeloberflächen unter dem Zahnfleisch. Manchmal verordnet er ergänzend ein Antibiotikum, um besonders aggressive Bakterien abzutöten und damit den Entzündungsprozess zu stoppen.

 

Parodontitis nicht unterschätzen

Die Zahl der Patienten mit schwerer Parodontitis ist zwar insgesamt rückläufig. Aber vor allem ältere Menschen sind nach wie vor häufig betroffen: Bei den über 65-Jährigen leidet jeder zweite unter der Zahnbettentzündung. „Parodontale Erkrankungen sind immer noch der Hauptgrund für Zahnverluste bei Erwachsenen“, betont Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.

 

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