Der Weisheit letzter Schluss

February 1, 2019

 

Ziehen oder nicht ziehen? Weisheitszähne machen zwar oft Ärger, aber durchaus nicht immer. Ob sie entfernt werden sollten, ist stets individuell zu entscheiden.

 

Wer zu spät kommt, bleibt manchmal auf der Strecke. Die Weisheitszähne starten ihren Durchbruch in aller Regel erst zu Beginn des Erwachsenenalters. Dann stehen natürlich alle anderen Zähne längst an ihrem Platz. Und das bedeutet: Es wird eng. Bei etwa 80 Prozent der Europäer scheitern Weisheitszähne beim Durchbruchsversuch, sie bleiben ganz oder teilweise im Kiefer eingeschlossen. Wieso klemmt es so oft am Ende der Zahnreihe? Grund ist die Evolution – sie ließ den Kiefer des Menschen schrumpfen, weil sich seine Ernährung stark gewandelt hat. So aßen die Frühmenschen überwiegend rohe und faserige Lebensmittel, die kräftig und lange gekaut werden mussten. Heute verspeisen wir dagegen hauptsächlich gekochte oder gebackene Lebensmittel, die meistens so weich sind, dass ausgiebiges Kauen nicht mehr nötig ist.

 

Sorgfältige Untersuchung

Wenn einem Weisheitszahn der Durchbruch nur teilweise gelingt, bilden sich häufig Taschen im Zahnfleisch. Da es kaum möglich ist, sie mit der Zahnbürste zu reinigen, sammeln sich dort schnell Bakterien. Sie verursachen oft eine sogenannte Schlupfwinkelinfektion, die sich zu einem schweren Abszess entwickeln kann. Darüber hinaus ist das Kariesrisiko erhöht. Außerdem kann der Wachstumsdruck des Weisheitszahns die Wurzel des benachbarten Backenzahns schädigen. Um den Einzelfall beurteilen zu können, führt der Zahnarzt eine allgemeine Untersuchung von Mund und Kiefer durch und fertigt gegebenenfalls ein Übersichtsröntgenbild an. Grundsätzlich rät die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Weisheitszähne bei folgenden Problemen zu entfernen: • bei Schlupfwinkelinfektionen; • bei Karies oder Wurzelentzündungen am Weisheitszahn; • bei Schädigung des Nachbarzahns; • wenn der Weisheitszahn den normalen, gesunden Biss stört; • falls der Weisheitszahn die Korrektur einer Zahnfehlstellung stören könnte. Im Allgemeinen können Weisheitszähne wie alle anderen Zähne ambulant und nach lokaler Betäubung in der Zahnarztpraxis gezogen werden. Eine operative Entfernung durch den Zahnarzt oder Kieferchirurgen ist nur erforderlich, wenn der Zahn quer liegt, schwer zu erreichen ist oder eine extreme Wurzelkrümmung aufweist. Wenn anhand der Befundlage zu erwarten ist, dass der hinterste Backenzahn sich problemlos in die Zahnreihe einfügen wird, spricht nichts dagegen, ihn zu belassen. Aber auch, wenn das nicht absehbar ist, der Zahn aber noch komplett unter dem Zahnfleisch tief im Knochen liegt, muss er nicht unbedingt gezogen werden – sofern er unauffällig bleibt und keine Beschwerden verursacht.

 

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